CDM8828_NL-RtEUR_TBCOR01_022P018.pdf
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H e r m Dr W, L e n t z ,
p/A H e r m Behr
S e r v i c e d ' I n f o ï r o a t i o n de l a Haiite
Autéritft,
2 , P l a c e de fcetZf
S e h r g e e h r t e r Herr Dr L e n t s ,
^,
An"bei sei.de i c h Ilinen e l n e n B e i t m g
f ö r DaSf^^krlament den m i r von H e r m W e l l e n B t e l n
I n Ihreiiraahmen erlDeten vmrde. I c h e n t s c h u l d i g e
mich wegen delf 3praclif»:?hler und werde Ihnen
dankhar s e i n f ü r clle Husbesserung d e s T e x t e s ,
\'iegen der k u r z e n 2;eit h a t t e i c h k e i n e G e l e g e n h e i t d e r Sprache v l e l e : JlufJnerksamkeit au
iddmon.
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Mit dem Ausdruck vorzagllcher
Roohachtung,
Ihr ergebener
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Was l e i e t e t t h e o r e t i s c h e i n gemeinsamar Markt 9
Was i s t e i n "R&raelntmmr Markt*' ?
Die Plgur des "gemelnsam«n Marktee" iiat b e k a n n t l l A
i n der Wirtsotiaftswissenaohaft s e i t lang«m ein« vdohtige
Rolla g e s p l e l t . r ' i t i h r iRlrd ein lïarkt semelnt wo ohns
^•de Heriinnis und i n f i ^ i e r Konkurrcnz getauscht wird; o f t
wird dassu nooh anfj^cnommen es e x i s t i e r e a auah kelne T r a n s p o r t k o s t e n , In der P r a x i s wird ein solcher ?/?ai:*kt a l s o nur
arinSherningsweise v e r w i r k l i c h t sein kSnn«i, Von den T r a n s portkosten abgesehen i s t trotssdcns ffir den Xohle»- und
Stalilmarkt i n der Montanunion das I d e a l b l l d doch schon
«iemlich s t a r k angenfihert worden durch die TJ'ortachaffung
der q u a n t i t a t i v e n Beschrankungen und dor ?5inftilxpaöll«.
ünvollkomraenheiten « x l s t i e r e n a l l e r d i n g a noch In der Hina i c h t daso die tftnsatzsteuer und d i e deiralt vergleichharsn
Taxen, die an der Grenze nur teil-weise dizrch Prelsetzaingwi,
Rttckvergötungen und Auesleichsabcta'ben kcwnpeoislert werden»
innerhalb jeder der zusantnonarbei tendon Staaten für d i e
verschieden^Ki Betriehsawslge ungleich s i n d . Dadiirch werdcm
die Entsohlüsse der Produzent«i i n asr^Ttranetri schcr Weise
ZTigunatcn "beattnmter Prodiiktionen irnd ^^lungunsten anderer
beeinflüsst.
Der "Grundsatz der Fri^HiandelBlehre"
Das8 der ^jemeinsame laarkt i n der • xi'&sciiaftslohro
eine solche P.olle g e a p i e l t h a t , erklUrt slch daroue dasa
er nach den ftberlegungen der Theorie etv»T?.3 l e i s t e t das
andere Organiaationsformen dee Tausch?
-^jes nioht l e i a t e n :
e r f ö h r t zu |e)^ner Anwendunr; der 'ProaxCiz^Yi^^^te wobei e i n
Maxiraian an Pi-odiiktion e r h a l t e n wird. Um geiiauer zu aeini
der Geldwert der Produktion des Cesa^^itsebietes aovia jadea
einzelneti Landes, berechnet nach ?rciiiöiidel8^:i»ei8en, wird
z\m Haxiraum, Kurz gefasat hat man das v/oiil ao ::edeutet
daes ein Maximum an yolkswoiilstand zuetandece-'raoht wird,
Dae t r i f f t a l l e r d i n g a nur dann zu vfeum obige i i e f i n l t i o n dea
Volk swohl standee gewfihlt wird, V'tirde nian den Geldwert n i c h t
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d«r Produktion, sondern der Ausgaben woaca Ausgangspunkt
i^hlen, 30 kSrmten aich fOr elnzeln© L^j^er der betrach^teten
Gmippe andere Schluesfolgerxmgen «rgeöeai* 3 B kSnnteai daiin
bastitnmte LSnder duroh Zollmaiilpiiliei'uiiij die Prelsa in
Ihren Vorteil beeinflüssen pnd dainit elnen Gewlnn an R M C L *
ausgaben errelchen, Würde nian maieismn daas der Volkawohlstand auch von der Verteilimg dea CT«fiaatprodukta«
abiiftiigt, 80 kSimen gleichfalls aib^wlchende Bohlüsae geaog«n
werden.
Die Bvidenz des erwSlmten "C-rundsatzea der Ti^lbfluaal»»
lehre" wlrd am klaraten wenn man sich die Alteraatiwaravendungen der Produktivkrafte verr^genwSrtlgt, die zich in der
Abweeenheit eines freien geraeinsamen Marktes diirchsetsen.
Bei jeder Form des Schutzes kanmt die Tendena auf, Kapltal
unö Arbeit gewissen weniger erglebigon Anwendimgen zazafOliren, Die Bedeutung des Grundsatzea kann anóh noch in
anderer Y/eia© betont werden, wenn raan auasagt daso bei
freiem Austauach di© internationale Arbeitsteilung sich
vSllig durchaetzen kann, wae bei gewissen Handelshenranlsaen eben nicht der Fall ist. Es ti'erden "künstliohe, auseerwirtsohaf tllche" ErSf te bei der Produktionsgestaltiing vermieden,
In der Montanuni^fi
In der P r a x i s der Montanunion bade-atet der g«OMilDsa-ne Markt vor allem daas auf d i e Duuer d i e 'j?eniger p r o duktlven Einhelten a u s g e s c h a l t e t werden körmen oder ab«?
ih3?e Leistungsffihigkeit erhSht wird. Vla k5nnen aioh d i e
b e s t e n Werke gonfiaa i h r e r wirkliohen Leiatung ausdehneaa»
Das System der Doppelpreise kann autói zmn Verschwlnden g e b r a c h t werden, pnir das Oeaamtgobiet b e d ^ i t e n Doppelprelae
Irraaer einen V e r l u s t an Produktionswert: ea werden k ö n s t l l c h
beatiramte üntornehraungen bcvoraugt, andere b e n a o h t e i l i g t .
ünd 3V9ar konimt es a o h l i e s a l i c h imraer dazu dasB ««•i^lgf*"'
lelatungsffthlge ünternehraungcn i n I h r e r Entvrlcklung ouguxisten
weniger produktiven E i n h e i t e n gehindert werden» Dasselbe
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gilt für die fröher sehr übliche Doppeltarlf* füi» die BefSrderning der "^rzeufpiisse oder der Rohstü^ffe, Es mag lm
direkten Interesse gewisser Orupjïen gsfwesen sein dass dies*
Instnjmente der nationalen Wirtschaftspolitik :Te>iand]teibt
wirden; im allgraneinen Interesse des Gesamt£i;ebietes der
liontariunion war es bestinimt nicht. Und vielleicht ^vvar ea
auch/tm langfriatigen Interesse derjenigen die disse Politik
trieoen,
Vollbesch^.ftigvin/^ als Bedingün;:^
Die theoretiachen liberiet^unsen bezuglich des gemeinsamen Marktes gelten nicht unbedingt. Es lohnt aich die
WichtigGten Bedingungen zu evvf?2men die jPür ilire GÜltigksit
erftlllt sein sollen. Eine^ wichtige ist diejenige der Voll"benutzung aller ProduktivkrSfte. V'ird ein Teil der Prod'oktionsfaktoren nicht benutzt, so kann ihre Einschaltung,
sogar wenn nicht in den leiatungsfShigsten Setrietoen noch
ijTuner ein:v,Vorteil far dea. Volkswohlstand "bedeuten. Die
praktische Schlussfolgeriing w5re \TOhl dass die Schaffung
eines gemeinsamen Karktea eine Politik der Vollbeschïii'tigung
- innerhalh prakt ischen Grens en - zur Voraussetarong haoen
sollt sonst kermen die Vorteile nicht zu vollatSndiger
Entfaltung,
Von der Beite der praktischen Politik ist es auch olinehin klar genug dass es im Interesse der zusattmenarhaltenden
V51ker ist ihre ProduktivkrSfte voll auszunutzen. Trotzdera
erschelnt es nCtzlioh den engen ZusaiTrienhang zv/ischen
Integration und 3esch5ftigungspolitik klar zu sehen.
Freie Konkurrena v.la weitere Bedini:,ua;s;
Eine weitere Vorausaetzung die erfüllt sein soil
- und worGber es eine ausgedeimte Litteratur gibt - ist
diejenige der freien Konkurrenz. Es iet klar dass eine
richtige Behutzimg der ProduktivkrSfte nur dann gewShrldstet
ist wenn nicht willkÜrlich durch Monopolpreise die Produktion
besclirankt vverden kann, Hiermit \vird ein Gegenstand herührt
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der zu grossen Komplikationen führen kann wenn die Kostenstruktur sogenannte "fallende Grenzkosten" aufzeigt, Palis
es Bolche fallende Grenzkosten bis zu den höehstdenkbaren
Produktionsmengen glbt, ist eine Gleichgewichtslage bei
freier Konkurrenz ohne Subventionen nicht mSglichj sie
würde zu dauerhaften Verlusten der beteiligten Produsenten
führen. V/lr stossen hier auf ein tiefschlürfendes Problem
der Wirtschaftsorganisation, das in eineni Zeitiingsartikel
nicht erschSpfend behandelt werden kann. Es soil n\ir ervi^hnt werden, ébenso wie die Relevanz dieser Problematik
für das Integrationsproblera, Die Bedingung könnte am besten
in negativer Wei se, wie oben erwShnt, forrauliert werden:
die bestmSgliche Internationale Arbeitsteilun:^ ist d m n
nicht gewBhrleistet wenn die Preisbildung monopolistische
Elemente aufzeigt.
Nachteile einer partiellen Integration
Zum SchlusB m3ge noch auf eine letzte Bedingung
hingewiesen werden die polltisch besonders bedeutsam erscheint, Wenn im Grundsatz der Freihandelsiehre die Rede
davon ist dass bei freiem Güteraustausch die optimale
Arbeitsteilung erhalten wird so ist es ja klar dass dabei
vorausgesetzt wird es seien sSratliche Betriebszweige In
dieser Lage, Wenn nur für einzelne Industrien diese
Prelzügigkeit der Waren existiert kann nur eine sehr
partielle Arbeitstellting erreicht werden, In der Alltagssprache übersetzt bedeutet dieses einfach dass eine Integration die nur wenige Zweige timfasst durch weitere Schritte
gefolgt werden soil damit das vollstandigc Ergebnis erhalten
wird. Die Integration nvir eines einzelnen Ausschnitts aus
der Wirtschaft wird sogar gefSlhrdet werden, falls sie nicht
von einer Gesaratintegration vervollstSndigt wird, Letztere
Aussprache mSge noch an einigen Punkten nSher erlSutert
werden.
Der Vertrag der Montanunion "befreit" den Handel
mit Kohle und Stahl und gewissen Produkten dieser Rohstoffe,
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Es wird sich hier also elne heuorientierung durchsetzen
v>'ol3ei, sagen wir, Land A mehr dleser Waren, Land B weniger
derselben er/.eugen wird, weil land A Mlliger ist. Land B
teurer. Das wird nur dann zu wirklicher v'ohlstandserh5htang
ftthren wenn in anderen Branchen Land B die Gelegenheit
"bekonnt seine Produktion auszudehnen. Falls nxxn aber dieee
Production durch Handelshaninnisse nicht ausgetauscht
werden kann, wird Land B rait Arbei telosigkeit bedroht, v;odiirch die Vorteile der Integration illusorisch werden,
Bs kommen noch weitere Schwierigkeiten hinzu, Nehmwx
wir an es befinde sich unter den Partnern an einem gCKieinsamen Markt eind Land F mit hSheren allgemeinen ZollsStzen
als in den übrlgen Staaten vorherrschen, In diesem Lande
sind die LShne auch hSher - wegen der höheren Lebenalialtimgskosten - als bei freiem Qesamthandel der Fall sein würde,
Wird nun ein Sektor des W'irtschaftslebene von ZSllen befreit, so wird es diesari Lande schwerfallen in diesem Sektor
mitztikonkurrieren. Es stellt sich also sogar ira integrierten
Sektor nicht \inmittelbar die endgültige Lage mit der
bestraSglichen internationalen Arbeitsteilung ein.
Das sind keine Argumente wider den kühnen Versuch
das Integrationsproblöii Buropas zimSchst in einem einzelnen
wichtigen Sektor anzugreifen, Vielmehr sind es Argumente
dafür mit der allgemeinen Inte.'^Tation nicht lange zu warten,
Gemeinsamer Markt und lalsser-faire
Y.s folgt nicht ohne weitere dass ein garieinaamer
Markt unter allen Urast^nden immer eine Bühne des "laisser
fnire" sein soil. Der Vertrap- der Montatranion aieht
rlchtigerweise vor dass es IMstande glbt wobei gerisse Singriffe erwünscht erscheinen, Wie es im allgemeinen gilt
dass Bchwere GlelchgewlchtsstSrungen nicht Immer in derselben Wei se kuriert \7erden k5nnen wie leichte, so auch hier,
lm Fall einer ausjresprochenen Knapphelt wird die Hohe BehSrde
HSchstpreise, lm Fall elner überproduktlon Fledrigstpreise
feststellen kSnnen; dazu wird ira Falie elner Knapphelt zum
Mlttel der Ratlonierung gegriffen werden kSnnen. Theoretisch
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kann man diese Politik am einfachsten in der Weise]denken
dasB -eSb^i in einem Zustand der Knappheit das normale
Punktionnieren dee Preises unwirksam "bleibt, Es ist die
Punktion eines relatiir hohen Preises, Angebot herauszufordern: im Palle einer akuten Knappheit ist dies eben unmSglich, Dieser Pall illustriert zugleicherzeit dass neben
der Produktlon (die ohne odwFrSït HSohstpreisen und Rationierung^ohnehin die gleiche bleibt) noch die Verteilung derselben for den Volkswohlstand relevant sein kann, Und es
ist gerade die P\anktion der soeben gcnannten Instrtimente,
diese Verteilxing optimal zu gestalten in Perioden wo die
freie Preisblldung versagen würde, Man darf inzv.lschen hoffen
dass es durch eine geeignete allgemeine Wirtachaftspolitik
gelingen wird derartige Ausnahmezustande soviel wie mSglich
zu vermeiden. Das Instrumentarium einer richtig ausbalanzierten Viirtschaftspolitik der Montanunion wSre aber nicht vollstSndig gewesen wenn nicht der Hohen BehSrde die soeben
genannten Aktionsmittel zur Verfügung stSndon,
ZusananenfassendraSchtenwir hervorheben dass e in gerieinsamer
Markt nach den theoretischen Srwartixngen vor allem das
Zustandekommen einer HSohstprodxiktion des Gesamtgebietes
sowie jedes einzelnen Qebietes leistet, Damit diese Leietung
veil ZTir Qeltung gerSt, sollen jedoch gewissejï Bedingungen
erfCllt sein. Es sollen die ProduktivkrSfte voll ausgenützt
werden; es soil freie Konkuucrenz vorherrschen und es soil sich
die "Integration" bis auf alle Zweige des 1irtschaftslebens
erstrecken. In Sonderfallen wird es notwendig sein, HSchatoder Niedrigstpreise featzustellen, Dem theoretischen Bilde
entspricht die ?/irklichkeit nie genauj deshalb werden Abweichungen vom theoretischen Schema, Oberganganassnahmen
und Hilfskonstruktionen notwendig sein. In den Hauptlinian
und auf die Dauer jedoch gibt es keinen Anlass von den
Richtlinien der Theorie abzuweichen.
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Part of Letter to W. Lentz